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Keigo – warum höflich nicht gleich höflich ist?


Japan unterscheidet sich von westlicher Kultur in vielen Bereichen. Einer der interessantesten Aspekte ist hier jedoch sicherlich die starke Ausprägung von Hierarchie, Respekt und Höflichkeit, die von vielen Touristen besonders positiv aufgenommen wird.

Keigo –

warum höflich nicht gleich höflich ist?

 

Japan unterscheidet sich von westlicher Kultur in vielen Bereichen. Einer der interessantesten Aspekte ist hier jedoch sicherlich die starke Ausprägung von Hierarchie, Respekt und Höflichkeit, die von vielen Touristen besonders positiv aufgenommen wird. Von der Körpersprache bis hin zur regen Diskussion findet jede Form der Kommunikation in Japan mit einem Respekt statt, der vielen anderer Kulturen voraus zu sein scheint. Wer in Japan ein Restaurant besucht, wird von der ersten Begrüßung bis zum Abschied wie eine berühmte Persönlichkeit behandelt. „Der Kunde ist König“ findet hier eine ganz eigene Bedeutung.



Damit diese Höflichkeit auf allen Ebenen vermittelt werden kann, nutzt die japanische Sprache sogar eine ganz eigene Hierarchie,
die exakt bestimmt, wie man wann mit wem spricht. Zwar gibt es dies ähnlich auch im Deutschen (Anrede „Sie“ und Anrede „Du“), allerdings ist es hier nur ein relativ kleiner Unterschied hinsichtlich Anrede und ver­wendetem Vokabular. In Japan hingegen werden Satzbau- und Struktur, Vokabular, wie man sich selbst, sein Gegenüber und Dritte adressiert, wer wann spricht sowie vieles mehr von den japanischen Regeln der Höflichkeit diktiert. Dabei gibt es für die verschiedenen Höflichkeitsformen eigene Konjugationen: Hier wird ein Verb nicht nur nach Zeitform, sondern auch nach Höflichkeitsform konjugiert.

 

 

Uchi-Soto – die Beziehung von „innen“ und „außen“

In der japanischen Sprache wird nicht nur die Beziehung zwischen zwei Gesprächspartnern in die Formulierung mit einbezogen – eigene Beziehungen, deren Beziehung zum Ge­sprächspartner, sowie Beziehungen des Gesprächspartners werden berücksichtigt und im Gespräch intensiv beachtet. So verwendet ein Japaner unterschiedliche Worte, wenn er mit einem Kollegen über seinen Chef spricht, als wenn er sich mit ihm über ein Partner­unternehmen unterhält. Als Kern dieser komplizierten Strukturierung dient das japanische Verständnis von „Uchi“, dem eigenen Kreis, und dem „Soto“,dem Kreis Außenstehender.

 

Wenn jemand mit anderen über sich selbst oder einen Teil seines Kreises – dem „Uchi“ – spricht, so wird dem „Soto“, also Außen­stehenden gegenüber, Bescheidenheit ausgedrückt. Spricht man aber mit anderen Mitgliedern des „Uchi“ über jemandem des „Soto“, so werden Respekt und Ehrerbietung ausgedrückt. Da es dieses System im Deutschen nicht gibt, ist eine Veranschau­lichung recht kompliziert – es lässt sich am ehesten als eine Unterscheidung zwischen beiden Gesprächspartnern sowie einer Ein­schätzung der Beziehung beider Gesprächs­partner mit Personen und Gruppen, über die die Gesprächspartner sich unterhalten, erklären. Wenn eine Sekretärin zum Beispiel einen Anruf erhält, bei dem gefragt wird, ob der Chef im Haus ist, so würde sie abhängig davon antworten, ob der Anrufer die Frau des Chefs oder eine Partnerfirma ist. Es spielt also nicht nur eine Rolle, wie Japaner sich selbst ge­genüber anderen präsentieren, sondern auch, wie sie ihnen bekannte und ihnen weniger bekannte Personen gegenüber seinen Ge­sprächspartnern adressieren. Dies wird beispielsweise dann entscheidend, wenn ein Vorgesetzter seinem Team einen neuen Mitarbeiter oder Kunden vorstellen möchte oder wenn in Meetings neue Bekanntschaften geknüpft werden.

 

Teineigo und Keigo – wie Japaner Sprache nutzen

Neben der „Uchi-Soto“-Beziehung lässt sich die Sprache noch in weitere Formen der Höflichkeit unterscheiden – von einfacher Sprache, die unter anderem im Bekanntenkreis Anwendung findet, über eine generelle Höf­lichkeitsform, die im Alltag mit Fremden genutzt wird, bis hin zu „Keigo“, der dedi­ziertesten Ausdrucksform, welche höchsten Respekt und Demut vermitteln soll und vor allem im professionellem Umfeld Anwendung findet. Dabei spielt auch der Satzbau eine hervor­gehobene Rolle. So bittet man einen Freund schlicht direkt um seine Hilfe, während man für einen Arbeitskollegen eher folgende Formu­lierung wählt: „Ich wäre Ihnen wirklich zu tiefstem Dank verpflichtet, wenn Sie kurz einen Moment Ihrer kostbaren Zeit aufopfern und mir Ihre Kooperation gewähren könnten“.

 

 

Durch diese Form der Sprache, die hierzulande sicherlich übertrieben wirken und verwirrte Blicke auf sich ziehen würde, ist das Arbeits­umfeld jedoch sehr professionell und respektvoll gehalten. Dies wird vor allem interessant, wenn man mit Arbeitskollegen auf der jährlichen Weihnachtsfeier gemeinsam feiert, was natürlich Barrieren senkt und man sich auf eine lockerere Umgangsform einigt. Am nächsten Tag im Büro ist jedoch wieder der gewohnte Respekt an der Tagesordnung. So wird eine natürliche Barriere geschaffen, um Beruf von Freizeit zu trennen und eine gesunde Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten. Würden einzelne Mitarbeiter vom Vorgesetzten ab­weichend adressiert, so könnte sich unter den Mitarbeitern das Gefühl einstellen, es würden einzelne Mitarbeiter bevorzugt behandelt.

 

Kundenzufriedenheit gewährleisten

Auch im Bereich des Kundenservice spielt die Kommunikation eine sehr wichtige Rolle. Gerade hier ist Keigo das Hauptinstrument für die Wahrung des Firmenimages. Während Kunden mit Mitarbeitern in der üblichen Höflichkeitsform, dem „Teineigo“ sprechen, werden Mitarbeiter stets in der „Keigo“-Form antworten. Man ordnet sich dem Kunden unter und behandelt ihn mit dem größtmöglichen Respekt. Hier wird vor allem in dem Moment die Wortdynamik ersichtlich, wenn ein Kunde einen Satz in lockerem „Teineigo“ formuliert und der Mitarbeiter den Satz anschließend im förmlichen „Keigo“ wiederholt. Beide sagen inhaltlich exakt das gleiche, jedoch spielt die Wortwahl hier eine erhebliche Rolle: Sie macht allen Zuhörern deutlich, dass der Kunde in diesem Moment vom Rang her über dem Mitarbeiter steht. Auch wenn „Teineigo“, die alltägliche Höflichkeitsform, völlig in Ordnung ist, kann hier mitunter sogar eine Abmahnung des Mitarbeiters erfolgen, sollte ein Kunde sich durch das Fehlen von „Keigo“ persönlich beleidigt fühlen.

 

Wer Keigo jedoch in allen Formen meistert, genießt unter Japanern hohen Respekt und profitiert beispielsweise auch von wesentlich besseren Möglichkeiten bei der Berufswahl. Personal unterläuft in Japan häufig spezielles Training und Coaching, um die vielen Nuancen des „Keigo“ zu erlernen und erfolgreich an­zuwenden. Jemand, der sich stets mit einer perfekten Höflichkeit und Formalität ausdrückt, genießt in Japan einen guten Ruf und ein sehr professionelles Image.

 

Zwei einfache Phrasen, die schnell einen überraschend guten Eindruck hinterlassen können

„Hajimemashite“

Es ist vergleichbar mit einem „Schön, Sie kennenzulernen“ und wird oft als allererstes verwendet, wenn Sie jemanden zum ersten mal treffen.

 

„Yoroshiku Onegai Shimasu“

Diese Phrase ist etwas umständlich zu übersetzen, da sie wörtlich übersetzt soviel wie „Bitte behandeln Sie mich gut“ bedeutet, sie wird aber oft am Ende einer Begegnung ver­wendet, wo sie in etwa so viel bedeutet wie „Vielen Dank für alles, bis zum nächsten Mal!“

 

 

 




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