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Kawaii – warum „niedlich“ in Japan ganz groß ist.


Während sich hierzulande besonders Kinder an Stofftieren und Spielzeugen erfreuen, haben viele Japaner eine ausgeprägte Vorliebe für alles besonders Kindliche.

Kawaii – warum „niedlich“ in Japan ganz groß ist.

Japan Spezial

 

Während sich hierzulande besonders Kinder an Stofftieren und Spielzeugen erfreuen, haben viele Japaner eine ausgeprägte Vorliebe für alles besonders Kindliche. „Kawaii“ heißt übersetzt so viel wie „niedlich“ oder „liebenswert“ und bezeichnet einen besonderen Stil, der mittlerweile fester Bestandteil moderner japanischer Kultur ist und sich dort durch alle Lebensbereiche zieht



Kawaii hat viele Gesichter. Wer das erste Mal nach Japan reist, staunt oft darüber, wie sehr die Liebe zu allem Niedlichen und Kindlichen dort den Alltag beherrscht. Von überlebensgroßen Pokémon, die Jumbo-Jets schmücken, über junge Frauen, deren Kleidungsstil an Charaktere aus einem der beliebten Manga-Comics erinnert, bis zu offiziellen Tsunami-Warnschildern, auf denen Wellen Reiß- zähne und Häuser angstgeweitete Augen haben: Kawaii ist überall. Selbst Politiker sind auf den Zug aufgesprungen und nutzen Kawaii mittlerweile erfolgreich zur Selbstdarstellung und als Werbung für die eigene Partei. Ein ganzer Wirtschaftszweig hat sich die Vermarktung immer neuer Produkte zur Aufgabe gemacht und die steigende Konsumbereitschaft der Japaner hilft, den Trend weiter anzukurbeln. Von Toilettensitzen bis zu Haushaltsrobotern – mittlerweile kann man beinahe alles im Kawaii-Stil erwerben. Und es lohnt sich. Firmen wie Sanrio, die Vertreiber der „Hello Kitty“-Produkte, machen sich den Trend zunutze. Die Katze mit der roten Schleife im Haar ist mittlerweile auf über 20.000 Produkten zu finden und wird weltweit vermarktet. Für Sanrio ist Kawaii ein Milliardengeschäft.

 

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Vom Trend zum Kulturgut

 

Seinen Ursprung hat Kawaii in den 1970er Jahren. Um ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen, erfinden Schulmädchen eine besondere Form der Handschrift. Mit sehr dünnen Strichen verzieren sie Schriftzeichen mit kleinen Figuren und Gesichtern. So nur noch schwer zu entziffern, wird die neue Schönschrift in den Schulen schon bald verboten. Der Trend Kawaii jedoch ist geboren und breitet sich in japanischen Wohnzimmern und Einkaufszentren wie ein Lauffeuer aus. Der oft sehr kindliche, unschuldig wirkende Kawaii-Stil ist eine willkommene Abwechslung für eine neue Generation moderner, junger Frauen, die sich von den sonst teils strengen Sitten und Traditionen des Landes distanzieren wollen. Sich gegen die gesellschaftliche Ordnung auflehnend, wird Kawaii für viele zu einem Symbol für Individualität, Unabhängigkeit und Konsumbereitschaft.

 

 

Kawaii bedient sich unserer Instinkte

 

Andere Gründe spielen wahrscheinlich eine noch größere Rolle für die rasante Ausbreitung des Kawaii-Trends, der mittlerweile auch außerhalb von Japan viele begeisterte Anhänger findet. Was genau macht die süßen Produkte also so unwiderstehlich?

 

Überzeugend in Qualität und Technologie: die Drahterodiermaschine MV1200R bei AEMB in Thyez
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Unser (Kauf)-Verhalten wird von vielen Faktoren beeinflusst, über die wir oft gar keine rationale Entscheidungsgewalt haben. Im Fall Kawaii trifft das anscheinend besonders zu. Schuld daran sind unsere Instinkte, sagen Psychologen, die das Phänomen untersucht haben. Viele Kawaii-Produkte und Ideen bedienen sich dem sogenannten Kindchenschema. Ein nicht zum Körper passender, übergroßer Kopf mit kreisrunden Augen und einem puppenhaften Mund erinnern uns an Neugeborene und wecken einen in uns tief verankerten Beschützerinstinkt. Dies war besonders für unsere Vorfahren wichtig. Eltern, die damals eine starke Bindung zu ihrem Kind fühlten, kümmerten sich eher darum und hatten somit einen entscheidenden Vorteil, wenn es darum ging, ihre Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Gegen die evolutionär verankerten Gefühle der Zuneigung und Fürsorge kommt der evolutionär wesentlich jüngere Teil unseres Gehirns, der für rationales Denken und Entscheidungsfindung zuständig ist, einfach nicht an. Besonders in Japan, einem Land mit einer der niedrigsten Geburtenraten weltweit, ist es wenig verwunderlich, dass viele kinderlose Paare im Trend Kawaii ein Ventil für ihre elterlichen Gefühle finden.

 

Niedliche Produkte und Bilder erinnern jedoch nicht nur an Neugeborene, sie erinnern auch an die eigene Kindheit. Wir tragen noch keine Verantwortung, dürfen spielen und entdecken. Die häufig relativ unbeschwerten ersten Lebensjahre japanischer Kinder stehen so in einem starken Kontrast zum Eintritt in das Schulalter, ab dem den Kindern oft strenge Disziplin abverlangt wird. Kindisch sein ist schnell nicht mehr gefragt und wird vom Streben nach guter Bildung und späterem Erfolg abgelöst. Dass starke Emotionen öffentlich eher selten gezeigt werden und die Wahrung alter Traditionen immer noch eine große Rolle spielen, trägt jedoch sicherlich genauso zur ausgeprägten Kindheits-Nostalgie der Japaner bei und erklärt, warum alles, das kindlich und unschuldig ist, so begehrt ist.

 

Auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu Unrecht, wie Forscher der Hiroshima-Universität kürzlich herausfanden. Sie führten verschiedene Experimente zum Phä- nomen Kawaii durch und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. Im Gegensatz zum Betrachten von Bildern, auf denen unter anderem leckere Speisen abgebildet waren, hatte das Betrachten von Bildern junger Welpen und Katzen direkte Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Versuchspersonen. Insbesondere bei Aufgaben zur visuellen Suche und der Feinmotorik konnten signifikante Verbesserungen nach Ansehen der niedlichen Bilder erreicht werden. Kawaii hilft anscheinend nicht nur, das innere Kind der Nation zu erhalten – es ist produktivitätssteigernd und sollte deshalb auch im Arbeitsalltag seinen festen Platz haben, lautete das Fazit der Forscher.

 

 

 




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