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Zahn für Zahn Präzision aus dem Schwarzwald


So sprichwörtlich wie die Präzisionsmechanik der Schwarzwälder Uhren sind auch die Produkte von Neugart im badischen Kippenheim.

Ausgabe 01 // 2013

Zahn für Zahn Präzision aus dem Schwarzwald

Neugart GmbH

 

So sprichwörtlich wie die Präzisionsmechanik der Schwarzwälder Uhren sind auch die Produkte von Neugart im badischen Kippenheim.
Beim Drahterodieren vertraut der Getriebehersteller auf die neue MV2400R Grand Tubular von Mitsubishi Electric.



Seit 300 Jahren werden im Schwarzwald Uhren aus einheimischen Hölzern produziert. Dank niedriger Herstellungskosten waren sie – anders als die vorherrschenden Uhren mit Metallwerken – auch für einfache Bürger so erschwinglich, dass um 1850 rund 600.000 Uhren aus Schwarzwälder Manufakturen verkauft wurden. Etwa um die gleiche Zeit wurde in Furtwangen die erste deutsche Uhrma­cher- schule gegründet, die Fachkräfte ausbildete und die Maße und Formen der Uhren standardisierte. Dies förderte das Qualitätsbewusstsein und den Export. Uhren aus dem Schwarzwald wurden zum Markenzeichen. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert mussten viele Unternehmen in der Region schließen. Und so wurde auch der Werkzeugmacher Karl Neugart ar­beitslos. Doch mit Tatendrang und Energie gründete er mit einem Freund 1928 ein Kleinunternehmen, das Zahnräder für die Uhrenindustrie und Kleinstteile für Feinwerkzeuge produzierte. Dies war der Grundstein für ein erfolgreiches und innovatives Unternehmen mit heute 380 Mitarbeitern, Tochtergesellschaften in Italien, Brasilien, Türkei, USA, China und Frankreich sowie einem weltweiten Umsatz von knapp 50 Millionen Euro.

 

Karl Neugart kaufte 1943 im badischen Kippenheim ein Anwesen mit einer geeigneten Halle für seine eigene Produktion. Zunächst waren es Rübenhobel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs, die man gegen Lebensmittel tauschte, bis sich das Un­ter­nehmen wieder auf das Thema Verzahnung fokussieren konnte.

 

Der Technische Leiter Otto Hebding bespricht mit dem Erodierer Wilhelm Michelis Details einer Zahnradkontur.
Der Technische Leiter Otto Hebding bespricht mit dem Erodierer Wilhelm Michelis Details einer Zahnradkontur.

 

Während der Wirtschaftswunderzeit produzierte Neugart dann das Innenleben von Büffetuhren, die damals fast in jedem bundesdeutschen Wohnzimmer standen. Aber auch federgetriebene Trockenrasierer und mechanische Ölstandsanzeiger für Öltanks befanden sich im Portfolio. Später kamen erste selbst entwickelte Getriebe hinzu. Ende der Sech­zi­ger­jah­re übernahmen Karl Neugarts Kin­der Georg und Erika das Familienunternehmen. In­zwischen führen die Enkel Thomas Herr und Bernd Neugart das Unternehmen gemeinsam in der dritten Generation.

 

Top-Zulieferer für den Maschinenbau

Thomas Herr brachte seine Erfahrungen aus dem Bereich der Motorenhersteller ins Unternehmen und setzte die Messlatte hinsichtlich Standardisierung und Qualität sowohl an die kostengünstigen Economy-Getriebe für einfache Handlingsaufgaben als auch an die spielarmen Präzisionsgetriebe. Daraus entwickelten sich zwölf Standardbaureihen mit Planetenradgetrieben für Maschinenbau, Automatisierungstechnik und Medizintechnik. Die Unternehmensentwicklung war so erfolgreich, dass sich das Unternehmen heute weltweit unter den Top 5 beim Thema Marktanteil und Innovationsführerschaft sieht. „Qualität ist unser oberstes Prinzip, gepaart mit innovativen Produkten und exzellentem Service", sagt Marketingleiter Stefan Füllbrandt und fügt hinzu: „Wie man sieht, fahren wir sehr gut damit.“

 

Neugart-Produkte zeichnen sich durch Langlebigkeit und höchste Qualität im Sinne von ‚mount & forget‘ aus. Die Reklamationskosten sind verschwindend gering.“ Zwei Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit Standardgetrieben in unterschiedlichen Präzisions- und Leistungsstufen, welche führend am Markt sind. Dabei kommt Neugart seine hohe Fertigungstiefe zugute. Bis auf Lager, Dichtungen, Schrauben und Schmierstoffe könne man alle Teile im Getriebe selbst herstellen, so Füllbrandt.

 

Im Foyer des Hauptwerkes hängen Urkunden für die Zertifizierung nach ISO 9001:2008, für das Umweltmanagement „Blue Competence“ und die Auszeichnung als ein TOP 100-Unternehmen des Mittelstandes. „Gerade wurden wir von Bosch-Rexroth als "Pre­ferred Supplier" ausgezeichnet. Das spornt an“, sagt Füllbrandt. Mehrere strategische Partnerschaften mit großen Automatisierern wie B&R, Festo, Baumüller, Bosch-Rexroth und Schneider Electric vervollständigen das Bild.

 

Präzision aus dem Schwarzwald

Neben den Planentengetrieben stellt Neugart verschiedene Sondergetriebe und Sonderverzahnungen her. „Wenn der Kunde besondere Anforderungen an Wärmeführung, Präzision der Bewegung oder Bauraum hat, sind wir in der Lage, auf­grund unseres großen Erfahrungsschatzes passende Sondergetriebe zu entwickeln“, erklärt Füllbrandt. Und Sondergetriebe waren es auch, die Neugart und Mitsubishi Electric zusammenbrachten. Sondergetriebe haben zum Teil eine von der Norm abweichende Verzahnungsgeometrie. „Mit dem Drahterodieren können wir besonders kleine Zahnräder kostengünstig herstellen und dem Kunden jede beliebige Verzahnungsart anbieten“, sagt Otto Hebding, Ausbildungsleiter und Leiter des Werkzeugbaus bei Neugart. „Inzwischen ist das Drahterodieren aus unserer Produktion nicht mehr weg­zudenken. Wir nutzen es auch selbst in unserem Sondermaschinen- und Spritzgusswerkzeugbau, besonders bei kleinen Verzahnungen wie Modul 0,6 und 0,3.“ Modul ist ein Verzahnungsmaß, das den Quotienten aus Teilkreisdurchmesser und Zähnezahl angibt. Je kleiner der Modul ist, desto kleiner ist auch der Zahn. „Als unsere Kunden sahen, was wir alles fertigen können, kamen sie mit noch hö­- ­he­ren Forderungen“, sagt Hebding. „Das brachte un­sere alte Drahterodiermaschine CX 20 von Mitsubishi an ihre Kapazitäts- und Präzisionsgrenzen.“ Die Zeit war reif für eine Ersatzinvestition.

 

Begeistert von der neuen MV2400

„Wir haben von vornherein auf die neue Drahterodiermaschine MV2400 von Mitsubishi Electric gesetzt und waren begeistert von der ersten Vorführung, denn diese Maschine schneidet mit einem besonders feinen Draht von 0,1 mm“, sagt Hebding. Seit November 2012 steht die neue Maschine in Kippenheim und schneidet Verzahnungen in Formringe für Spritzgusswerkzeuge.

 

„Wir sind äußerst zufrieden mit der Qualität, der Präzision, der Flexibilität und der Schnelligkeit der Maschine. Das automatische Drahteinfädeln ist top, da war ich selbst überrascht. Man muss nur einmal sehen, wie sich ein 0,1er Draht nach einem Drahtbruch wieder in den Funkenspalt einfädelt. Das funktioniert reibungslos“, erklärt Otto Hebding begeistert. „Es gibt öfters mal Spannungen im Material, weshalb es dann zum Drahtbruch kommt. Doch selbst solch ein Drahtbruch hält die Maschine nicht auf, denn mit der automatischen Drahteinfädelung kann sie eine komplette Schicht praktisch mannlos durcharbeiten.“ Besonders erwähnenswert sind auch die erweiterten Fähigkeiten der MV2400: Aufgrund kurzer Rüstzeiten können in relativ kurzer Zeit Prototypen mit unter­schiedlichsten Geometrien geschnitten werden, um diese dann in der Applikation zu testen.

 

MV2400R mit steu­erungsintegrierter 
B-Achse.
MV2400R mit steu­erungsintegrierter B-Achse.

 

Obwohl der Sprung von der alten CX-Maschine auf die neue MV-Maschine sehr groß war, haben Otto Hebding und seine Mitarbeiter schon vieles soweit optimiert, dass sie für Vorrichtungsbau und Verzahnerei bereits wieder Verzahnungsdorne, Spann-und Bohrvorrichtungen, Mess- und Prüfvorrichtungen herstellen. Dafür wurde die Ero­- dier­maschine MV2400 mit einer zusätzlichen B-Achse ausgerüstet. „Damit können wir auch runde Teile wie Kronen etc. herstellen“, sagt Hebding. „Das funktioniert ausgezeichnet.“ Neben vielen Sonderanfertigungen setzen die Kippenheimer die neue Maschine auch für die laufende Produktion ein. So werden beispielsweise Kupplungen und Planetengetriebe für Medizinprodukte auf der MV2400 hergestellt. Diese dünnwandigen Teile sind kaum größer als ein Zehncentstück und lassen sich fast nicht mehr fräsen, sondern nur noch drahterodieren.

 

Gute Mitarbeiter sind das Kapital der Firma

„Die Basis unserer Firma ist immer ein perfektes Produkt. Und das lässt sich ohne die Kompetenz unserer Mitarbeiter nicht herstellen“, sagt Otto Hebding. „Deshalb legen wir ganz großen Wert auf Aus- und Weiterbildung. Seit Jahren haben wir eine Ausbildungsquote um die 10 Prozent und genießen einen Spitzenruf beim Thema Ausbildung. Unsere Facharbeiter kommen meist aus den eigenen Reihen.“ Dies ist kein Wunder, denn auch dem Seniorchef Georg Neugart liegt die Ausbildung am Herzen. Fast jede Woche ist der 75-Jährige noch im Werkzeugbau und in der Lehrwerkstatt zu sehen. „Der Seniorchef kennt fast jeden persönlich“, erklärt Hebding. „Da jeder Mitarbeiter firmeneigene T-Shirts mit eigenem Namen auf der Brust hat, weiß Georg Neugart immer, wen er vor sich hat“, sagt der Leiter der Abteilung Werkzeugbau und Ausbildung im Neugart-T-Shirt und lacht.

 

www.neugart.de


Otto Hebding

Otto Hebding

Neugart GmbH

 

 

 


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

 

Hebding: Als Vermessungshelfer für die Flurbereinigung und im Weinbau.

 

Was treibt Sie an?

 

Hebding: Als Ausbildungsleiter möchte ich noch viele Menschen für Technik und Werkzeugmaschinenbau und natürlich für unser Unternehmen begeistern.

 

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

 

Hebding: Wir möchten international noch stärker wachsen, noch serviceorientierter arbeiten, die Position unter den Top 3 weltweit verbessern und als Unternehmen unabhängig bleiben.

 

Was war Ihr bisher größter unternehmerischer Erfolg?

 

Hebding: Als Unternehmen die Krise 2008 ohne substanziellen Verlust durchgestanden zu haben, heute eine Belegschaftsstärke wie noch nie zu haben und deutlich über zwei Millionen Euro in Maschinen und Anlagen investieren zu können.

 

Wie können Sie am besten entspannen?

 

Hebding: Beim Weinbau und beim Mountainbiken.

 

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei anderen am meisten?

 

Hebding: Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit und Ehrgeiz.

 



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